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Teil 1: Mallorca - Gibraltar
An Bord waren Günter, Selbständiger und Anwärter auf den FB 4 sowie Gerhard, Pensionist und Hobbyskipper ohne Kommando. Die Stammcrew Jonathans waren Rosa, gelernte Köchin und bereits auf ihrer zweiten Transatlantikquerung und Carlos alias Karl Heinz alias Petzi, alias Kapi Tan, US Coastguard Captain bis 8.500 BRT.
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Einkauf der Lebensmittel und Betanken des Schiffes in Porto Colon. Die geplante Abfahrt am 18.10 verzögert sich aber wegen Schlechtwetter um zwei Tage. Zum Ausgleich gibt es bis Gibraltar keinen Wind, also wird der Frisörsalon Jonathan eröffnet.
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21.10. Wir fangen die erste Dorade. Ihrer sollten noch viele folgen....
Rosa bereitet den Fisch nach Rezepten aus Panama, Rosas Heimat zu. Schmeckt vorzüglich, alle sind begeistert.
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Gerhards zahlt keine Heuer, dafür soll er an Bord die Elektrik des Schiffes optimieren und die Antenne des Navtex Gerätes so installieren, dass es einwandfrei arbeitet.
Projekt eins: Zerlegen einer der drei Lichtmaschinen.
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Vor Gibraltar erwischt uns in der Nacht Nebel, der bis in die Morgenstunden anhält. Auf dem Weg nach Gibraltar löst sich am Wellenlagerbock des Backbord-Motors eine Schweißnaht. Aber ein Katamaran hat ja zwei Maschinen und so motoren wir mit der Steuerbord-Maschine am 25. Oktober gegen 17:00 in Gibraltar ein. In Ermangelung von Wind verbrannten wir eine halbe Tonne Dieselöl. Vorteil immer eiskaltes Bier.
Teil 2: Gibraltar Kanarische Inseln
Abfahrt Gibraltar in der Abenddämmerung bei Vollmond. Bei besten Bedingungen kreuzen wir die Strasse von Gibraltar. Wetterbericht von „Deutsche Welle“ und von „Radio Tarifa“ sagt Wind 2-3 Bft. aus W voraus.
Am 27. Oktober ereilt uns vor der Küste Marokkos Schwerwetter auf die Nase. Etwa 12 Stunden Sturm aus SW mit über 40 Knoten im Cockpit ( ca. 50 Knoten im Masttop).
Schwerwetter vor Marokko
Der Grund für den Wind ist ein Tief, das sich mit 956 hp ausbildete, wir laufen ab nach El Araich in Marokko, bevor es uns das Tupet vom Kopf bläst.Kein Wetterbericht sagte dies voraus, die Wetterfrösche sind offenbar auf ihrer Leiter eingeschlafen und haben die Meteorologen an der Nase herumgeführt. Bei einer der starken Böen haucht Jonathans Windgenerator sein Leben aus. Die Permanentmagneten lösten sich aus ihrer Verankerung und blockierten die Welle. Der Wind flaut ab, selbstredend, dass wir Wind aus SW (Nasenwind) mit 5 BFT haben, selbstredend, dass der Strom gegen uns setzt. Es gibt eben nur 3 Arten von Wind. Zu wenig, zu viel und Wind auf die Nase. Ab 28.10. 1200 Uhr kommt endlich Wind aus nördlicher Richtung auf. Etmale werden besser, am 30.10 haben wir schon Etmal von 160NM.

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Fischfang bis der Kühlschrank voll ist
Wir fangen Doraden und Thunfische bis zum Abwinken. Das System der Schleppangeln am Kat hat sich gut bewährt. Die Rollen sind ohne Route direkt am Radarmast bzw. am Mast für den Windgenerator montiert. Die Köder sind aus Tintenfischimitationen mit zwei Haken. Ein altbewährter Trick, der sich schon seit zigtausend Meilen bewährt hat.
1.11. Morgens zeigt das Kontrollgerät, dass aus den Batterien 168 Ampere entnommen wurden. Der Wachführer hat offenbar in seiner Wache geschlafen oder war besoffen. Da die Order gilt ab 100 AH die Batterien zu laden. Mir ist es schon öfters aufgefallen, dass in der Wache eines der Wachführer Unregelmäßigkeiten auftreten. Auch realisiere ich, dass diese mit dem üppigen Bier bzw. Alkoholkonsum zu tun haben.
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Blister (Spinnacker) Bergen einmal anders
Vormittags setzen wir den Spinnacker. Elf Uhr fünfundvierzig: Spinnacker fällt ins Wasser, Ursache ist der Wirbelschäkel aus Bronze im Top des Blisters, von dem sich die Mutter löste. Die Reparatur dauert kurz, dann zieht er uns wieder Richtung Gran Canaria.
2.11.2004 um 0400Uhr morgens. Wir laufen in Las Palmas ein. Gegen Mittag steigen Monika und Robert zu. Monika ist beruflich selbständig und Mitseglerin, Robert Verkäufer und Mitsegler mit Unterhaltungsgabe.
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Teil 1: Kanarische Inseln Virgin Islands
Noch am selben Tag gegen 23:50 segeln wir weiter. Tagsüber Halbwind, der gegen 15 Uhr auf NNE dreht und somit zum Blisterkurs wird. Segeln die herrliche Halbmondnacht mit dem bunten Beisegel durch.
Die Strategie ist jene, die schon Kolumbus, Francis Drake und Henry Morgan angewandt haben: So weit wie möglich nach Süden zu segeln um sicher in den Passatgürtel zu kommen mit dem wir dann rasch nach Westen befördert werden. In der Nacht frischt der Wind etwas auf und wir wechseln auf die Genua. Schön zu sehen: Jupiter knapp neben der etwas höher stehenden und helleren Venus.
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Do 4.11 Trotz wenig Wind erreichen wir ein Etmal von 142 NM. Gerhard versucht seine Heuer abzuarbeiten und probiert den Fehler des Reglers im Stb. Maschinenraum zu beheben. Leider lädt nun die Lichtmaschine nur noch mit 20 Ampere, mit dem Fehler lud sie mit 60 Ampere.
Wetterberichte über SSB
Technischen Schnikschnak findet man auf Jonathan nicht. Dennoch gibt es ein Radio (Seitenbandempfänger), das mit Hilfe des bordeigenen Computers Wetterkarten empfängt. Hier bekommen wir die Wetterkarten von der englischen Station Northwood auf 4610 und 8040 Kilohertz recht gut herein. Heute verheißen sie eine Kaltfront die uns von Westen kommend erreichen könnte.
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Der Albrtraum wird wahr
Am Freitag, den 5.11 setzen Günter und ich gegen 6 Uhr das Gosssegel und segeln Schmetterling. Gegen 12:45. Als wir nur noch mit Gross segeln und auch dieses zum Bergen vorbereitet wird, tratscht die Plaudertasche Robert anstatt sich auf seinen Kurs zu konzentrieren. Der Albtraum jedes gestandenen Hochseeseglers wird Wirklichkeit. Robert fährt eine Patenthalse. Ein durchdringender Knall lässt alle einen Moment den Atem anhalten...
Die Sicherungssysteme auf Jonathan waren wirksam, der Bullenstander und der Grossschotstopper fangen den tonnenschweren Druck des Grosssegels auf. Dennoch geht Material zu Bruch wie Rolle, Curryklemme, Karabiner und auch der Baum wird vor dem Lümmelbeschlag beschädigt.
Es ist immer ein enormes Risiko mit ungeübten und dabei sich selbst überschätzenden Hobbykapitänen zu segeln. Heute weiß ich, dass es nachlässig von mir war, Robert nicht von seiner Wache abzulösen und durch einen erfahreneren Rudergänger zu ersetzen. Doch bis zu diesem Zeitpunkt war ich der Meinung einen nach seinen Erzählungen - erfahrenen Hobbykapitän am Ruder zu haben.
Erst später stellte sich heraus, dass er praktisch keine Ahnung als Rudergänger hatte und selbst auch nie Verantwortung auf einer seegehenden Yacht trug.
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Gullyasch, Schokokuchen und kein Wind
Nach der fast Katastrophe segeln wir weiter unter Spinnacker und wenig Wind. Ich koche nach dem Schock Gullyasch nach dem Rezept von meiner Urgroßmutter Theresia:
1 Teil Gullyaschfleisch, 1 Teil Zwiebel, 1 Teil Erdäpfel geschnitten. Zwiebel anrösten, Fleisch dazu etwa 15 Minuten mit dünsten, mit Wasser aufgießen und würzen, dann 24 Stunden stehen lassen. Dazu benötigt man süßen Paprika, Salz, Lorbeerblätter,.... 15 Minuten vor dem Servieren die Erdäpfel dazu geben.
Die folgenden Tage wird der Wind immer weniger. Sogar der Blister fällt ein. Gegen 20 Uhr ist der Wind völlig weg und wir motoren. Ich backe den sonntäglichen Schokokuchen. Mehlspeisenliebhaber kommen auf Jonathan immer auf ihre Rechnung. Schon Salzburger Nockerl haben im Schiffsofen das Licht der Welt erblickt.
8.11. In Gewittern kommt etwas Wind auf, segeln gut mit halbem Wind aus ESE. Rosa macht panamesische Empanadas. Eine südamerikanische Spezialität, die wirklich mundet. An einem dieser Tage wird der Starter des Stb. Motors von einem seltenen Defekt heimgesucht. Ich baue den Starter aus und beim Zerlegen stellt sich heraus, dass sich zwei der Bürsten ausgelötet haben. Das Einlöten ist Routinearbeit wird aber durch den Seegang eines Gewitters erschwert. Der Wind flaut ab und wir motoren die ganze Nacht langsam dahin. Die größte Reichweite haben wir mit dem Volvo Diesel, er verbraucht pro Meile nur etwa 0,4 Liter. Beim Einholen der Schleppangel beisst ein etwa 4 kg schwerer Kalamar. Die Belohnung und ein Ausgleich für den aufregenden Tag.
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Fischerglück
Di. 9.11.04 In der früh sieht man wieder alle Sterne. Mond, Venus und Jupiter sind ganz knapp beisammen und drängen sich auf der Ekliptik. Vormittags verstärkt sich der schwache SW Wind auf Jubel hervorrufende 12 Knoten!
Heute haben wir Fischerglück. Gegen 1000 Uhr rattert die Schleppangel in atemberaubender Geschwindigkeit. Noch vor dem Einholen ist die Leine wieder leer - ein Fisch fraß den Köder und riss den Schäkel ab. Fast genau um 1200Uhr beißt ein etwa 7 kg schwerer Thunfisch. Kurz danach tönt wieder das fröhliche Ratatata der Schleppangel und zwei kleinere Droaden streiten sich um die Köder. Abends macht Rosa Thunfisch natur. Wir haben nun Fisch in Hülle unf Fülle. Delphine begleiten uns in einen fabulosen Sonnenuntergang.
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Jonathan ist Bühne
Morgens kommt Günter aus der Kabine und strahlt. Ein fliegender Fisch hat sich in seine Kabine verirrt.
Die Wetterkarten aus New Orleans, Luisiana auf 8503,5 kHz und auf 4317,9 kHz lassen auf Wind hoffen, doch die Berichte sind so oft schon falsch gewesen, dass eine Interpretation reine Spekulation ist. Jonathan ist Kabarett, ist Theater, ist Bühne für Selbstinszenierungen. Jeder darf sich erhöhen, sich als Kapitän sehen, als Supersegler, darf Possen reißen und sich vielleicht auch als Meteorologe darstellen. Niemand stellt sich in den Weg, alle können sich die Vorstellung ansehen. Die wichtigen Entscheidungen liegen ohnedies in der Verantwortung des Skippers und somit ist das Schiff sicher.
Eine der facettenreichen Darbietungen im Theater der Selbstdarstellungen erleben wir fast täglich von einem der „Kapitäne“ an Bord. Er gibt immer wieder viele der denkbaren Varianten, wie sich das Wetter entwickeln kann, zum Besten. Trifft dann eine davon zu, meint er“ ....hab ich das nicht gesagt? Ich habs euch doch gesagt...“ Doch es kommt nur allzu oft vor, dass selbst keine seiner Hypothesen zutrifft, was dann nicht nur zu heimlichem Schmunzeln führt, sondern glockenhelles Lachen hervor ruft.
Do 11.11.
Der schwache Wind schwächt sich trotz anderslautender Vorhersagekarten und Interpretation weiter ab. Es ist wirklich öde. Rund herum Kumuluswolken. Es gibt „Fischgullyasch a la Geli“, aus herrlichem Doradenfleisch, das Gerhard bereitet. Da ungewiss ist, wie lange die Flaute andauern wird, lasse ich vorsichtshalber das Wasser auf 1,5 l/Person und Tag rationieren.
FD oder die Flautendepression
Ich versuche die „Flautendepression“, in welche die Crew langsam schlittert mit allem zu mindern was möglich ist. Wir segeln mit 2 Knoten scheinbarem Wind (ca. 4 Knoten wahrer Wind) von achtern. Ich mache einen Sundowner (Cocktail zum Sonnenuntergang). Um die Stimmung weiter zu heben bereite ich Palatschinkenteig vor. Als ich merke, dass sich einer der Mitsegler auf das Palatschinken machen freut, räume ich sogar für ihn das Feld. Dafür wird er auch beim Palaschupfen fotografiert, was auch dazu beiträgt die Depression zu lindern. Schließlich beisst auch noch eine 6,5 kg schwere Dorade... der Abend wenigstens ist gerettet.
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Wachführer - Schlafmütze
Einer der Wachführer ist zu seinem Wachantritt in der Nacht nicht wach zu kriegen. Also muss ein Anderer seine Wache übernehmen. Manche entledigen sich der Flautendepression durch erhöhten Bierkonsum, zum Leidwesen der Anderen. Alkohol war schon seit jeher ein gutes Mittel Angst und Depressionen zu nehmen. Es regt die Erzählfreudigkeit an und macht mutig. Alkohol dient also letztlich auch der Unterhaltung der Anderen. Die British Navy schenkte an ihre Matrosen etwa einen halben Liter „Pussers Rum“ täglich aus. Dennoch, eine der wenigen Pflichten an Bord einer seegehenden Yacht auf Langfahrten ist die exakte Einhaltung der Wachen.
Feiern in aller Stille
Die Verlockung ist groß, sich auf die Bühne der Eitelkeiten zu begeben. Rosa feiert ihre 10.000. Seemeile mit selbstgebackenem Vanillekuchen und Cacao in aller Stille in der Kabine. Kein Bühnenauftritt. Mein Jubiläum zelebriere ich auch alleine im Mast. Der Vorwand Fotos zu schießen bietet sich an um in den Mast zu steigen und meine 135.000 Meile als Skipper und 85.000 Meile als US Coastguard Captain....... zu feiern
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Endlich Wind
Etwas Wetterglück würde uns gut tun, bisher hatten wir von den 13 gesegelten Tagen an 10 Tagen weniger als 3 Beaufort. Dafür fangen wir wieder eine schöne Dorade mit etwa 6, 5 kg. Daraus bereiten wir rohen Fisch in Soja und Zitronenmarinade. Ein herrlicher Genuss!
Wir werden Verspätung haben, soviel steht fest. Aus den erhofften 16 18 Tagen Atlantikquerung wird nichts. Es frischt auf, der Wind dreht auf Süd. Beim Bergen des Blisters löst sich das Liektau des Backbord Lieks aus der Befestigung. Schlagartig wird die Kraft auf das Segelmaterial übertagen und der Blister reißt. Gegen Morgen beginnt der Wind aufzufrischen. Erstmals kommen wir zu richtig schönem Segeln! Wetterfrösche in Boston und Wetterfrosch auf Jonathan haben davon im Vorhinein nichts gewusst. Der Spuk dauert jedoch nur vier Stunden, dennoch läuft Jonathan ein Etmal von 177 NM .
Die letzte Gasflasche wird angeschlagen. Die in Gran Canaria gekauften Gasflaschen halten statt 10 bis 12 Tage nur etwa die Hälfte bei gleichem Gaskonsum. Eine Crux, weil damit das Gas statt 36 schlagartig nur noch für etwa 20 Tage hält. Also wird jeden 2ten Tag der Holzkohlengrill benutzt. Heute abends BBQ Dorade mit Gemüsereis und Ananas als Nachspeise.
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Lagerkoller die erste
Robert, unser Patenthalsenpilot moniert, dass es nach 15 Tagen auf See keine Zitronen, keine Äpfel, keine Orangen mehr gibt und dass wir das Wasser rationieren müssen ... und dass das Gas zu ende geht. Alles stimmt, alles nicht tragisch meine ich, Obst ist eben Frischware und wir sind nicht auf einer Kreuzfahrt am Bodensee sondern mitten am Atlantik. In der Nacht lässt der Wind immer mehr nach. Wieder motoren wir..
Langsam, ganz langsam dreht der Wind über W nach NW , N und kommt schließlich gegen 5 Uhr morgens als NNE wieder.... wir setzen bei leichter Brise die Segel. Nach dem wir wieder mit Wind rechnen können und ich die Wasservorräte erneut zählen ließ hebe ich die Wasserrationierung wieder auf.
Die nächsten Tage segeln wir Etmale zwischen 100 und 130 Meilen Die Wetterprognosen stimmen wieder nicht. Wir sollten 15 knoten Wind aus NE haben, tatsächlich sind es zischen 4 und 7 über weite Strecken nicht einmal 3 Knoten Wind. Günther telefoniert heute und erfährt, dass es möglich ist die Flüge umzubuchen.
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Lagerkoller die Zweite
Die Hitze, vor allem aber die anhaltende Flaute macht uns allen zu schaffen. Am nervösesten reagiert Robert. Wer denn seine Toilette putze, sie stinke moniert er. Ich meine, dass er das wohl selber machen muss und stelle ihm ein Putzmittel hin. Dann meint er, er möchte dafür heißes Wasser haben. Der Hinweis, dass man Toiletten chemisch reinigt, löst aus, dass er laut wird, lauter und dann ausfällig.
Aber zu guter letzt war auch Roberts Ausbruch lediglich heiße Luft. Auch er sah ein, dass für Wetterkapriolen bestenfalls Neptun verantwortlich ist und die Flautendepression der Crew nicht dem Schiff oder Skipper angehängt werden kann.
Mi. 24.11.04
In der Nacht schwächt sich der Wind weiter ab, so dass wir zeitweise nur noch 2 Knoten segeln. Am nächsten Morgen motoren wir wieder.
Gasfreier Tag. Lediglich Robert erhält aus angeblich medizinischen Gründen (Diabetes) weder Fruchtsaft, noch andere Dinge, sondern Kaffee. Alle Mitsegler durchschauen das Spiel des „Kollegen“. Alle anderen begnügen sich mit Fruchtsaft oder Wasser. Jonathan ist wieder einmal Kabarett, die Bühne des Lebens. Segeln ist eben wie das Leben
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Sextant und Mittagsbreite
Fr. 26.11.04
3-4 Knoten Wind, wir motorsegeln wieder einmal. Eine herrliche, mondhelle Nacht. Sirius und Procyon, sind schön zu sehen, im Norden vom Orion sind Pollux und Castor gut auszumachen. Am Morgen gegen 5 Uhr steigt Venus auf das vom Mond hell erleuchtete Firmament. Zunächst wie ein Satellit grün und rot blinkend, gewinnt sie mit zunehmender Höhe ihre gewohnte, helle, weiße Leuchtkraft. Das Schauspiel endet erst, als die Sonne mit ihrem Licht Akteure am Himmelszelt überstrahlt.
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Monika wünscht sich mit dem Sextanten zu üben, also erarbeite ich mit ihr, wie man aus dem Sonnengang einfach eine genaue Position bestimmen kann (Mittagsbreite). Die Einfachheit dieser Positionsbestimmung soll am nächsten Tag mit der praktischen Messung mit dem Sextanten geübt werden.
Gerhard beginnt 20 Minuten später plötzlich mit der Erklärung des schiffseigenen Übungssextanten. Alle wundern sich über die Astrowut Gerhards, die nach 3 Wochen so plötzliche ausbricht.... ...natürlich ist die ganze Welt Bühne. Speziell Jonathan ist in den letzten Wochen Platz für Selbstinszenierungen... auch für Wacheschläfer...
Zu bemerken ist, dass Gerhard ein guter Geschichtenerzähler ist. Auch mich hat er fasziniert, wie er erzählte, Jonathans Elektrik „optimieren“ zu wollen, wie er die Navtex Antenne so anbringen wollte, dass das Gerät guten Empfang hätte.... alles um den Preis der Heuer für die Atlantikquerung. Beides ist nicht geschehen. Ich bin da wohl einem recht teuren Märchenprinzen aufgesessen.
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Nochmals Doraden
Gegen 15 Uhr segeln wir bei der Boje eines Treibnetzes vorbei. Plötzlich starten 2 Doraden wie von der Tarantel gestochen auf unsere Köder zu. Gerhard und ich stehen an den Schleppangeln und holen die Beute an Deck. Wunderschöne Tiere, um die es fast schade ist sie ihrem Element zu entreissen. „Fressen und gefressen werden“ das gilt aber speziell auf See als hartes und grausames Gesetz. Abends bereitet Rosa die Doraden zu. Fische werden auf Jonathan aber nur zur unmittelbaren Lebensmittelbeschaffung gefangen.
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Land in Sicht
Am 8.11 Morgens, gegen 10:15 sieht Monika Land... einer der „Kapitäne“ an Bord Jonathans meint - nach eingehender nautischer Prüfung unter Verwendung von Peilkompass und Kartenstudium dass dies die Insel Anegada sei. Tatsächlich sehen wir Virgin Gorda in den Virgin Islands. Virgin Gorda ist mit ca 1300 Fuß ein markannter Punkt. Aber dieser Täuschung unterlagen schon viele Kaptäne. Rund um Anegada liegen etwa 300 Schffswraks die das belegen....
Gekennzeichnet war die Atlantikquerung von wenig Wind und diversen Schrulligkeiten. Wir segelten von Gran Canaria bis Tortola 3.238 NM, davon lange Zeit auf der Kreuz. Passat hatten wir von den 26 Tagen unserer Reise nur 5 Tage lang. Von den 26 Tagen unserer Reise waren 18 Tage weniger als 3 Bft oder gerade 3 Bft Wind. Unser schnellstes Etmal auf dieser Reise war 177 NM, das langsamste 94 NM, die Höchste gemessene Geschwindigkeit des Katamarans mit dem GPS waren 14,6 Knoten.
Als Skipper Jonathans trug ich die Verantwortung, dass ich die Crew und das Schiff sicher über den Atlantik bringe. Ich bin froh, dass das gelungen ist und bin um einige menschliche Erfahrungen reicher.
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